D 2024, 121 min
FSK 12
Verleih: Piffl

Genre: Drama, Polit

Darsteller: Stephanie Amarell, Marie Tragousti, Sebastian Schneider

Regie: Omer Fast

Kinostart: 05.12.24

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Abendland

Angie im Wald

Eine mit einer Angela-Merkel-Maske anonymisierte Aktivistin verirrt sich nach einer Protestaktion gegen Baumfällungen hoffnungslos im deutschen Wald und trifft dabei auf eine seltsame Kolonie von Außenseitern. Die bunt zusammengewürfelte Truppe lebt weitgehend autark in Baumhäusern und schottet sich radikal von der als krank empfundenen Mehrheitsgesellschaft ab. Die Neuangekommene wird von ihnen mißtrauisch empfangen und zunächst isoliert, könnte sie doch das (Corona-)Virus in sich tragen. Auch sie tragen Masken, die sie nur in dem Moment abnehmen, wenn sie ihre Identitäten tauschen, samt Kleidung und Unterwäsche. Nur in diesem intimen Moment des Tauschens begegnen sich die Menschen wirklich. Von der Vergangenheit reden ist verpönt: Individuelle Identitäten sollen zugunsten einer Gemeinschaftsidentität fluide und austauschbar sein.

ABENDLAND ist alles andere als konventionelles Kino. Der in Israel geborene Videokünstler und Filmemacher Omer Fast berührt in seinem Werk viele Ebenen: Virusangst, Politaktivismus, Identitätsdiskurse. Worauf er mit diesem Themen-Potpourri hinauswill, bleibt allerdings nebulös. Was als Kurzfilm durchaus hätte spannend sein können, wirkt auf knapp zwei Stunden Laufzeit gedehnt zäh, zumal in vielen Szenen wenig passiert. Die permanent getragenen Masken berauben die Schauspielerinnen und Schauspieler ihres wichtigsten Ausdrucksmittels: ihres Gesichts.

Die rudimentären Dialoge kompensieren das nur unzureichend. Zweifellos sucht ABENDLAND die bewußte Irritation des Publikums, darin liegt vielleicht die eigenwillige Qualität dieses Films.

[ Dörthe Gromes ]