Originaltitel: VINGT DIEUX

F 2024, 92 min
FSK 12
Verleih: Pandora

Genre: Tragikomödie, Erwachsenwerden

Darsteller: Clement Faveau, Maiwene Barthelemy, Luna Garret

Regie: Louise Courvoisier

Kinostart: 06.02.25

6 Bewertungen

Könige des Sommers

Liebe, Leben, Käse

Weiß man ja: Käse ist neben dem Wein und dem Kino ein traditionsreiches, identitätsstiftendes französisches Kulturgut. Und weil die Franzosen ihren Käse so lieben, wie alle Welt den Käse der Franzosen liebt, kamen jetzt (möglicherweise aus einer Weinlaune heraus) französische Kinomacher auf die Idee, daß man doch glatt auch mal einen Film über das Käsemachen machen könnte. Einen Film wie KÖNIGE DES SOMMERS.

Der führt in die Gefilde der Bourgogne-Franche-Comté-Region. Eins der Käseherzen Frankreichs; eine sanfte und ausgiebig mit Kühen getüpfelte Wald- und Wiesenlandschaft, die dem Auge ein bukolisches Idyll bietet. Daß in dem gleichwohl das Leben alles andere als idyllisch sanft verlaufen kann, weiß auch der 18jährige Totone nur zu gut. In einem Alter, in dem Kumpels, Sex und Party weit reizvoller sind als etwa die Lockungen der Landwirtschaft, führt Totone das verantwortungsfreie und darin gern auch mal rabaukenhafte Lotterdasein eines ewigen Sommers. Doch ziehen unmittelbar dunkle Wolken auf, als Totones alleinerziehender Vater bei einem Autounfall stirbt und der Junge von einem Moment auf den anderen ein Übermaß an Verantwortung an der Backe hat. Für seine 7jährige Schwester Claire, einen runtergekommenen Hof, den es irgendwie zu erhalten gilt – und für ein Leben, dem es dann vor allem auch an einem fehlt: Geld, um es zu meistern. Ein Problem, das der größte Käse-Contest der Region lösen könnte. Lockt der doch mit anständigen 30.000 Euro Preisgeld.

In KÖNIGE DES SOMMERS verrührt Regisseurin Louise Courvoisier mit leichter Hand die herben Geschmacksnuancen des Sozialdramas mit den bittersüßen Ingredienzen einer Coming-Of-Age-Geschichte. Und bettet das Ganze in einen Wie-wird-eigentlich-guter-Käse-hergestellt-Exkurs, wenn Totone sich in beherzter Heimwerkelei und mit auch kleinkrimineller Energie (es gilt, wirklich gute Milch zu klauen) aufmacht, einen Comté zu kreieren, dem keiner widerstehen können soll. Daß dabei dann auch die Käserei-Kapitel des Films vor allem davon erzählen, daß ohne Loyalität und Liebe nie und nimmer was wirklich Bekömmliches entstehen kann, versteht sich von selbst. Gilt das doch schließlich fürs Kino wie für Käse und Wein. Und für das Leben sowieso.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.